Michael Goller

Michael Goller, geboren 1974, in Karl-Marx-Stadt, lebt und arbeitet in Chemnitz.

Das Schaffen von Michael Goller ist geprägt von einer Verwandlung seiner zugrundeliegenden Arbeitsmethode. Stand am Anfang noch eine konkrete Bildidee, ausgelöst durch Beobachtungen in der Umwelt des Künstlers oder durch die Beschäftigung mit dem eigenen Ich, liegt heute ein algorithmischer Prozess der Entstehung der Bilder zugrunde. Die Auswahl der Werke von Michael Goller in der Ausstellung APERITIF versucht diese Metamorphose abzubilden.

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Michael Goller

2006_06, 2006

Öl, Tusche, Aquarell auf Papier

24,0 x 32,0 cm

350 €

verfügbar

Figürliches lässt sich in diesem Bild schwer verorten. Beim genauen Betrachten lassen sich Tonkrüge identifizieren, welche als Aspekt des Stillebens in einer Jahre später entstehenden Serie zum motivprägenden Element werden. Für das vorliegende Blatt spielt aber die Schrift eine wesentlich bedeutendere Rolle. Ob nach links oder rechts orientiert, ob als Spiegelschrift oder Gekritzel: Sie dient hier weniger als Transporteur von Inhalten sondern vielmehr als Symbol unzähliger Gedanken. Dennoch verweist ihre Anwendung auf den Prozess des Denkens und Reflexierens, welcher zur damaligen Zeit im Schaffensprozess des Künstlers ein wesentliches Element war.
Markant sind die mit Ölfarbe aufgetragenen Pinselstriche als auch die Akzente mit schwarzer Aquarellfarbe. In diesen Gesten deuten sich vorweggreifende Äußerungen an, die auf die Suche des Künstlers nach absichtslosen Handlungen hinweisen.

In diesen Gesten von 2006_06 deuten sich vorweggreifende Äußerungen an, die auf die Suche des Künstlers nach absichtslosen Handlungen hinweisen.

Studien zur Dialog-Serie

Bevor der Künstler seine Bildideen auf eine Leinwand fixierte, erarbeite er das Bildmotiv in einer Sequenz von mehreren Durchläufen in Form von Entwürfen, welche am Ende in das fertige Bild mündeten. Ausgehend von Bleistiftskizzen im Notizbuch folgten Tuschezeichnungen, welche durch zuhilfenahme von Aquarellfarben schon Farbpaletten entstehen ließen und kompositorische Zusammenhänge herausstellten. Am Ende dieses Vorgehens stand nochmal die Entwicklung einer Studie mit Ölfarben, welche die Ausgangsidee noch weiter ausdifferenzierte, bevor schließlich das Bild auf der Leinwand entstand.

Michael Goller

Studie zu Dialog (über den Dächern), 2007

Aquarell und Tusche auf Papier

12,5 x 17,5 cm

170 €

verkauft

Die vorliegende Studie entstand nach einer Skizze im Notizbuch von Michael Goller. Diese Tusche-Aquarell-Zeichnungen markierten in seinem früheren Schaffensprozess einen wesentlichen Baustein. Sie waren der erste Schritt, die Ausgangsidee in einen konzeptionellen Rahmen zu legen, welcher eine farbliche Ausrichtung und kompositorische Zusammenhänge herausarbeitete.

Michael Goller

Studie zu Dialog (im Wasser), 2007

Öl auf Karton, Bleistift

21,0 x 29,7 cm

220 €

verfügbar

Nachdem Michael Goller mittels einer Tusche-Aquarell-Zeichnung erste kompositorische und farbliche Wegpunkte legte, erfolgte die nächste Stufe der Ausdifferenzierung, bevor er das endgültige Werk auf eine Leinwand fixierte. 
Am Beispiel der Studie von Dialog im Wasser lässt sich das Wesen dieses Schrittes nachvollziehen. Vor allem an der Figur im linken Bildbereich ist erkennbar, dass nicht nur ihre Position, sondern auch ihre Haltung die Bildidee voll unterstützt, so dass sich diese beiden Aspekte unverändert später auf der Leinwand wiederfinden. Dies trifft ebenfalls auf die wellenartigen Formen in der unteren Bildhälfte zu. Hingegen verschwand die zentrale Figur auf der Studie im Folgenden fast gänzlich. Sie ist nur noch in der schwarz-weißen Zeichnung in dem maskierten Bereich identifizierbar.

Dialog-Serie

Die Bilder der Dialog-Serie initiieren durch ihr Titelschema einen gewissen Richtungsimplus: Dialog (über den Dächern), Dialog (im Wasser), Dialog (Mittagspause) oder Dialog (Amoklauf). In Kombinationen mit den verschiedenen Bildfragmenten und Symbolen spannen sie einen Denkraum auf. 

Wesentliches Merkmal von Bildern aus der Werkphase von Michael Goller, der die Dialog-Serie zugehörig ist, sind Übermalungen und Maskierungen, welche der Künstler kontinuierlich vornimmt. Meist entstehen zuerst Zeichnungen auf den Leinwänden, bevor eine weitere Bearbeitung mit Ölfarbe diese wieder überdeckt. Durch gezielte Maskierungen bleiben jedoch einige Bereiche der Zeichnung erhalten und sind somit weiterhin sichtbare Aspekte im Motiv und tragen damit aktiv zur Erzählung des Bildes bei.

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Michael Goller

Dialog (über den Dächern), 2007

Öl auf Leinwand

125,0 x 150,0 cm

6800 €

Im vorliegenden Werk Dialog (über den Dächern) lassen die verwendeten Farben und Bildfragmente, wie Dinosaurier, Adam & Eva, Tiere und Bäume die Interpretation zu, dass womöglich der stattfindende Dialog sich dem Thema Menschheitsgeschichte widmet und das “über den Dächern” eher für eine weitgreifende statt einer eingegrenzten Diskussion steht.

verfügbar

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Michael Goller

Dialog (im Wasser), 2007

Öl auf Leinwand

125,0 x 150,0 cm

6800 €

Im vorliegenden Werk Dialog (im Wasser) steht der Mensch im Mittelpunkt, sei es als Gruppe oder als Individuum. Dabei scheint alles seinen Ursprung im Wasser zu haben, aus dem alles Leben entsteht. Die Haltungen der verschiedenen Körper verweisen außerdem auf unterschiedliche Tätigkeiten: der Wartende, der Arbeitende, die Redenden. Besonders markant scheint die Figur am linken Rand zu sein: der Künstler legt in ihre Pose eine besonders kraft- und hoffnungsvolle Geste.

verfügbar

Rituale

Die beschriebene Schaffensdramaturgie änderte sich im Laufe der Zeit radikal. Jeder Fixpunkt zu einem Ausgangsimpuls oder gar zur Realität löste sich auf. Selbst die Titel markieren nur noch den Zeitpunkt und die Position der Fertigstellung im Gesamtwerk des Künstlers. Michael Goller hat seinen Arbeitsprozess einen Zustand des Totalen erreicht. Dies kennzeichnet sich dadurch, dass diese Werke aus einem Gefühl der Absichtslosigkeit, kombiniert mit einem dem Zufall unterliegenden rituellen Akt der Farbauswahl, eingebettet in eine Umgebung, welche keiner zeitlichen Bestimmung folgt.

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Michael Goller

2017_45, 2017

Feder, Tusche, Farbstift auf Papier

43,0 x 43,0 cm

2100 €

verfügbar

Zeichnungen spielen im Gesamtwerk von Michael Goller eine wichtige Rolle, helfen sie doch dabei, seine Arbeitsmethode mit Bezugspunkten zur Realität in einen ritualisierten und totalen Prozess zu überführen. 
Die amorphen Gebilde, welche auch auf 2017_45 enthalten sind, entstanden aus einer Haltung der Absichtslosigkeit heraus, es ging um die reine Bewegung der Hand ohne das bewusste Verfolgen eines konkreten Vorhabens zur Abbildung der Realität. Im Kontext dieses Konzeptes verfolgte der Künstler verschiedene Ideen, seine Hände vom Kopf "zu trennen”: das Erlernen des Zeichnens mit links als Rechtshänder, das Verdecken von bereits Gezeichnetem, dem willkürlichen Drehen des Malgrundes. Diese und weitere Faktoren drängten auf das Herbeiführen eines automatisierten Zeichnens, welches Bilder auf dem Papier erschuf, die sich der Zensur des kritischen Ichs entzogen.

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Michael Goller

2019_59, 2019

Öl auf Leinwand

42,0 x 25,0 cm

1700 €

verfügbar

Dieses Werk gehört zu einer Gruppe, welche sich 2018 erstmalig zeigte und bis heute (2021) präsent ist. Ihr zugehörige Bilder lassen sich dadurch charakterisieren, dass sie über einen mehrmonatigen Zeitraum entstehen und in einen ritualisierten Prozess eingebettet sind.
Im Bestreben von Michael Goller, die Absichtslosigkeit zu erforschen, widmet er jetzt dem Ritual den vollkommenen Raum seines künstlerischen Schaffens. Bezog sich dieses Vorhaben vorher auf Zeitpunkt und Ort, erweitert er es um die Farbauswahl sowie um die Dauer des Malvorgangs. Zusätzlich kommen standardisierte, zu Malwerkzeug umgedeutete Gegenstände abseits des Pinsels zum Einsatz.   
2019_59 entstand unter dem Einfluß des beschriebenen Rituals. Konkret bedeutete dies pro Tag: Betreten des Ateliers, zufällige Auswahl einer handvoll Farben, punktuelles Auftragen mit je Farbe einem Wattetupfer und zwar nur mit der Menge, die dieser einmalig aufnehmen konnte. Anschließend ruhte die Arbeit an diesem Werk und wurde erst am Folgetag fortgesetzt. An einem durch Intuition beeinflussten Zeitpunkt erfolgt die Signatur des Werkes, was dessen Fertigstellung bekundet.

Preise enthalten keine Umsatzsteuer.

(Gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet.)